Polyphenol ist nicht gleich Polyphenol

Wer polyphenolreiche Olivenöle miteinander vergleicht, stellt schnell fest: Die Zahlen passen nicht zusammen. Ein Öl wirbt mit 400 mg/kg. Das nächste mit 1.800. Ein drittes mit 2.500. Sind manche Öle wirklich fünfmal so potent wie andere?

Manchmal. Meistens werden sie aber einfach anders gemessen.

Zwei Methoden, zwei unterschiedliche Antworten

Es gibt zwei gängige Verfahren zur Messung des Polyphenolgehalts in Olivenöl – und sie sprechen nicht dieselbe Sprache.

HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie) ist die vom Internationalen Olivenrat anerkannte und in der Europäischen Union verwendete Methode. Sie trennt das Öl in seine einzelnen phenolischen Verbindungen auf und erfasst gezielt jene, die mit messbaren gesundheitlichen Wirkungen verknüpft sind – vor allem Hydroxytyrosol, Tyrosol und ihre Derivate (die Oleuropein- und Ligstrosid-Aglykone). Das Verfahren ist selektiv, reproduzierbar und klar definiert.

NMR (Kernspinresonanzspektroskopie) – Grundlage der in Griechenland entwickelten und dort weit verbreiteten qNMR-Methode – misst breiter. Sie erfasst ein deutlich größeres Spektrum phenolischer Verbindungen, darunter viele, die HPLC gar nicht mitzählt. Das Ergebnis: eine höhere Zahl.

Beide Methoden sind wissenschaftlich valide. Sie messen einfach Unterschiedliches.

Warum griechische Olivenöle oft die höchsten Werte zeigen

Wenn griechische Öle mit 1.500 oder 2.000 mg/kg beworben werden, kommen in der Regel zwei Dinge zusammen.

Erstens sind griechische Olivenöle – insbesondere aus der frühen Ernte der Koroneiki-Olive – von Natur aus besonders phenolreich. Sorte, Terroir und Erntezeitpunkt ergeben Öle mit außergewöhnlich hohem Polyphenolgehalt.

Zweitens werden sie häufig mit der NMR-Methode getestet, die systembedingt höhere Werte liefert. Dasselbe Öl sieht per HPLC und per NMR unterschiedlich potent aus – nicht, weil sich das Öl verändert hätte, sondern weil sich das Maß geändert hat.

Warum wir den europäischen Standard verwenden

Bei Solio geben wir unseren Polyphenolgehalt auf Basis der HPLC an, weil es die Methode ist, die die Europäische Union für die offizielle Gesundheitsaussage zu Olivenöl akzeptiert. Um diese Aussage zu rechtfertigen, muss ein Öl mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und seine Derivate pro 20 g enthalten – gemessen per HPLC. Das entspricht rund 250 mg/kg.

Unser Öl erreicht nach diesem Standard 954 mg/kg. Fast das Vierfache des Schwellenwerts – und deutlich über dem, was die meisten Olivenöle im Handel bieten.

Was unser Öl nach der griechischen Methode zeigt

Zum Vergleich: Dasselbe Solio-Öl liegt nach der NMR-basierten griechischen Methode 50 bis 60 Prozent höher – etwa bei 1.450 bis 1.525 mg/kg. Damit bewegt es sich klar im Bereich hochwertiger polyphenolreicher griechischer Öle.

Wir könnten mit dieser Zahl werben. Auf dem Etikett würde sie beeindrucken. Aber sie wäre nicht direkt vergleichbar mit den HPLC-Werten, die europäische Verbraucher am häufigsten sehen – und sie ist nicht das Maß, auf das sich die regulierte Gesundheitsaussage stützt.

Uns ist eine Zahl, die etwas Konkretes bedeutet, lieber als eine größere, die vage bleibt.

Das Fazit

Wer Polyphenolwerte verschiedener Olivenöle vergleicht, sollte immer prüfen, welches Messverfahren verwendet wurde. Wird es nicht genannt, sind die Zahlen vermutlich nicht direkt vergleichbar. Und wer ein Öl sucht, das die EU-Gesundheitsaussage für Olivenöl erfüllt, sollte darauf achten, dass der Wert auf einem HPLC-Test nach IOC-Methode basiert.

Größer ist nicht immer besser. Konkret schon.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen HPLC und NMR bei der Polyphenolmessung?

HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie) ist die vom Internationalen Olivenrat und der EU anerkannte Methode. Sie misst gezielt einzelne phenolische Verbindungen wie Hydroxytyrosol und Tyrosol. NMR (Kernspinresonanzspektroskopie) erfasst ein breiteres Spektrum phenolischer Verbindungen und liefert systembedingt höhere Werte – beim selben Öl typischerweise 50–60% mehr.

Welche Methode liegt der EU-Gesundheitsaussage zugrunde?

Die EU-Gesundheitsaussage zu Olivenöl basiert auf der HPLC-Messung nach IOC-Methode. Ein Öl muss mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und seine Derivate pro 20 g enthalten – das entspricht etwa 250 mg/kg.

Warum gibt Solio nicht den höheren NMR-Wert an?

Weil der HPLC-Wert direkt vergleichbar mit dem EU-Standard und der regulierten Gesundheitsaussage ist. Eine größere Zahl ohne klaren Bezugspunkt wäre für Verbraucher weniger aussagekräftig. Solios Öl erreicht 954 mg/kg per HPLC und ca. 1.450–1.525 mg/kg per NMR.

Sind griechische Olivenöle wirklich potenter?

Sie sind oft tatsächlich phenolreicher – besonders frühgeerntete Koroneiki-Öle. Gleichzeitig werden sie häufiger per NMR getestet, was die Werte zusätzlich höher erscheinen lässt. Beides spielt zusammen.

Quellen

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